Zitate
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Einige dieser Zitate könnten starke Gefühle auslösen.
Der Einfluss langanhaltender Bindungs- und Entwicklungstraumatisierung in den ersten Lebensjahren - nichts anderes bildet wohl den Hintergrund der sogenannten Bindungsstörungen - kann zu allen denkbaren psychiatrischen Diagnosen führen. Dazu gehören beispielsweise Komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressive Entwicklungen und Persönlichkeitsstörungen. Am gefährlichsten für sich selbst und andere sind jedoch Menschen, die sich einen Schafspelz lebensbewältigender Anpassung zugelegt haben, während in ihrer psychischen Repräsentation der hungrige, einsame, im Zweifelsfall gewaltbereite Wolf das Sagen hat.
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2. März 2026 |
Alexander Trost
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kinderschutz , politik
Mich interessieren die Gründe, warum es vielen Frauen so schwer fällt, die vorliegenden Erkenntnisse über sexuellen Mißbrauch durch Frauen wirklich zu akzeptieren. Unter „akzeptieren" verstehe ich, diese Erkenntnisse in unser Denken, Fühlen und unsere politische Strategieentwicklung hineinzunehmen. Es ist, wie gesagt, keine pauschale Abwehr, aber eine Abwehr im Detail, eine „la, aber"-Haltung, der ich häufig begegne. Ich erinnere mich gut, daß erste angloamerikanische Forschungsergebnisse auch in mir immer wieder dieses „la, aber …" auslösten. Bei allem Interesse an den neuen Erkenntnissen schien mir doch immer etwas Wichtiges zu fehlen. Ich merkte, daß ich Probleme hatte mit der Art und Weise, in der diese Erkenntnisse meist vorgetragen wurden. Immer schien mir der Blick auf die Täterinnen verkürzt. Es fiel mir schwer, beim Lesen der Fallstudien und empirischen Erhebungen zu akzeptieren, daß hier eine Perspektive bestimmend war: der Blick auf die Taten der Frauen und die Folgen für diejenigen, die sie zum Opfer gemacht hatten. Ihre Lebensbedingungen und Lebenserfahrungen waren nicht Thema. Fiel mir ein Aufsatz in die Hände, der eine Erklärung versuchte, warum Frauen diese Gewalt anwenden, war mir ebenfalls unwohl. Da schien mir allzu schnell weggeredet zu werden, was Täterinnen tun, da wurden sie zum Opfer: Sie waren selbst als Mädchen sexuell mißbraucht worden, sie hatten als Frauen ein hohes Maß an Männergewalt hinnehmen müssen, sie mißbrauchten ihre Töchter und Söhne als Verlängerung von sich selbst, in einem Versuch, sich selbst für die erlittene Gewalt zu strafen. (Mary-Claire Mason 1990) In diesen Erklärungsversuchen waren die Opfer nicht mehr mit eigenen Verletzungen und Rechten vertreten, sondern nur noch exemplarisch. In den Texten, die Michele Elliott in diesem Band veröffentlichte, traf ich auf eine Verbindung dieser beiden Perspektiven, die es mir ermöglichte, zu lesen und nachzudenken, ohne ständig gegen „Ja, aber"-Impulse in mir ankämpfen zu müssen. (Auch auf Claudia Heynes Veröffentlichung 1993 konnte ich nur mit einem „Ja, aber…" reagieren, denn hier wurden die vorgestellten Forschungsergebnisse immer wieder mit dem unterschwelligen, verallgemeinerten Vorwurf versehen, Feministinnen hätten Gewalt von Frauen verschwiegen bzw. würden sie teilweise sogar gutheißen, obwohl die von ihr zitierte Literatur überwiegend von feministischen Autorinnen stammt.) Der Blick, der hier auf Frauen in der Position der Täterinnen gerichtet wurde, erschien mir stimmig.
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2. März 2026 |
Michele Elliott (Hrsg.)
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inzest , täterinnen
Der Opfer-Überlebensmodus In diesem Überlebensmodus fordert das Opfergefühl der Mutter, welches aus ihrem Trauma und ihrer gespaltenen Psyche heraus entstanden ist, von jedem Menschen, sie zu retten, ihr zu dienen, sein Leben für sie aufzugeben. Für diese Art Mutter ist es unabdingbar, dass sich ihr Kind für ihre Sehnsüchte und Wünsche opfert. Die Mutter akzeptiert das Kind nur, wenn sie von seiner Hilflosigkeit und Unterwürfigkeit profitieren kann. Das Kind ist gewollt, nicht um seiner selbst willen, sondern um etwas für seine Mutter zu tun.
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3. Februar 2026 |
Vivian Broughton
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täter-opfer , trauma
Because the conspiracy of silence most often follows the trauma, it is the most prevalent and effective mechanism for the transmission of trauma on all dimensions. Both intrapsychically and interpersonally protective, silence is profoundly destructive, for it attests to the person’s, family’s, society’s, community’s, nation’s and international community’s inability to integrate (and constructively respond to) the trauma.
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When done optimally, justice processes can lead societies to begin to dissipate the conspiracy of silence and heal the detrimental effects for both victim/survivors and society as a whole.
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18. Januar 2026 |
Yael Danieli
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politik , soziales
Ich will mit dem Wichtigsten anfangen, was ich zu sagen habe: Das Wesen der Arbeit mit einem anderen Menschen ist, als lebendiges Wesen da zu sein. Und das ist ein Glück, denn wenn wir klug sein müssten, oder gut, oder reif, oder weise – dann hätten wir wahrscheinlich ein Problem. Aber darauf kommt es nicht an. Worauf es ankommt, ist, ein Mensch mit einem anderen Menschen zu sein. Das andere Wesen da drinnen zu erkennen. Selbst wenn es eine Katze ist oder ein Vogel – wenn du versuchst, einem verletzten Vogel zu helfen, dann musst du zuerst wissen, dass da jemand drinnen ist, und dass du warten musst, bis diese „Person“, dieses Wesen da drinnen, mit dir in Kontakt kommt. Das scheint mir das Wichtigste zu sein.
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31. Dezember 2025 |
Eugene Gendlin
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helfen
Wenn wir beabsichtigen, einen Menschen zu einer bestimmten Stelle hin zu führen, müssen wir uns zunächst bemühen, ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet und dort anzufangen. Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung, wenn er meint, anderen helfen zu können. Wenn ich wirklich einem anderen helfen will, muss ich mehr verstehen als er, aber zuerst muss ich begreifen, was er verstanden hat. Falls mir dies nicht gelingt, wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein. Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen, dürfte dies wohl in meiner Eitelkeit begründet sein. Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen. Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
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31. Dezember 2025 |
Sören Kierkegaard
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helfen
Sind wir als Baby mit dem “unerwünschten Geschlecht” zur Welt gekommen, so fühlen wir uns nicht gut, weil wir kein Urvertrauen entwickeln konnten. Unser Selbstbild und unser Selbstbewusstsein, das Gefühl, zu etwas berechtigt zu sein oder nicht sind davon betroffen. Daraus erwächst eine generelle Unzufriedenheit mit unserer eigenen Lebensqualität. Diese Themen gehören zu den wichtigsten Erfahrungsbereichen unseres Lebens. Wenn wir das unerwünschte Geschlecht haben, ist es möglich, dass wir unser Leben mit dem unterschwelligen Gefühl leben, dass etwas an uns für immer verkehrt ist. Ein Leben voller Unzulänglichkeit, Scham und Unsicherheit kann die Folge sein. Auch aus diesem Grund können Babys schreien.
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5. Dezember 2025 |
Karlton Terry
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prenatal
Healing from earliest trauma as an adult is a journey of exploration, discovery, and deep process because it is a foray into implicit somatic memories, often with little cognitive story. Each step is a felt-sense experience; our memories lie in our bodies, and are formed before language comes online. Memories may also emerge from our early childhood, family dynamics, adolescence, and adulthood. We can traverse the earliest territory relatively easily if we have a map and a facilitator. Even still, it may be hard work for a traveler in those lands, as each layer may have a feeling of survival based on the conditions of the time. I hope this paper will help the enthusiastic traveler in healing begin finding their way thoughtfully and expediently. […]
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6. November 2025 |
Kate White
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perinatal , trauma
Die ungarischen Psychoanalytiker György Hidas und Jenö Raffai haben mit ihrer Methode der Bindungsanalyse eine primäre Ebene menschlicher Bezogenheit erschlossen. Am Anfang stand die Entdeckung der Dimension der vorgeburtlichen Beziehung in der Lehranalyse von Jenö Raffai bei György Hidas, die über viele Jahre lief. In dieser Zeit arbeitete Raffai als Psychologe an einer psychiatrischen Klinik mit psychotischen Jugendlichen und entdeckte in seiner therapeutischen Arbeit deren elementaren Wunsch nach einer Rückkehr in den Mutterleib, der sich in der therapeutischen Beziehung als Wunsch einer Aufnahme in den Leib des Therapeuten manifestierte, um durch eine neue Geburt die erste nur mangelhafte und unvollständige Geburt zu vervollständigen.
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20. Oktober 2025 |
Jenö Raffai , Ludwig Janus
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kinderschutz
From the very beginning of life — even in the womb — safe, stable, attuned, connected relationships that are nurturing are critical. There are studies that are very clear that when moms are experiencing a lot of stress or there’s stress in the environment during pregnancy, it starts to impact the nervous system and the development of the child. Certainly, in the very beginning of life, that need for attunement to even map our tenth cranial nerve, which regulates so much of the body’s nervous system, starts to be impacted.
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6. Oktober 2025 |
Christina Bethell
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soziales , trauma