Kinderschutz

Parentifizierung im Erwachsenenalter

Nicht wenige erwachsene Patient:innen fühlen sich für andere verantwortlich und laden sich selbst viel auf, was zu psychischen und somatischen Problemen führen kann. Oft haben sie als Kinder Verantwortung und altersunangemessene Rollen übernommen. Mögliche Langzeitfolgen sind u. a. chronische Überforderung, schwaches Selbstwertgefühl, Identitätsprobleme, Depressionen und problematische Beziehungen. Das Buch gibt einen Überblick über das Phänomen Parentifizierung, seine unterschiedlichen Formen, Auswirkungen und Kontexte. Es fasst den Forschungsstand zusammen, beschreibt die Entwicklungsgeschichte und die besonderen Ressourcen dieser Patient:innen und hilft, sie zu erkennen, besser zu verstehen und dabei zu unterstützen, problematische Muster der Selbst- und der Beziehungsregulation wahrzunehmen und zu verändern.

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Bindungsstörungen verstehen und behandeln

Der Einfluss langanhaltender Bindungs- und Entwicklungstraumatisierung in den ersten Lebensjahren - nichts anderes bildet wohl den Hintergrund der sogenannten Bindungsstörungen - kann zu allen denkbaren psychiatrischen Diagnosen führen. Dazu gehören beispielsweise Komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressive Entwicklungen und Persönlichkeitsstörungen. Am gefährlichsten für sich selbst und andere sind jedoch Menschen, die sich einen Schafspelz lebensbewältigender Anpassung zugelegt haben, während in ihrer psychischen Repräsentation der hungrige, einsame, im Zweifelsfall gewaltbereite Wolf das Sagen hat.

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Zur Bindungsanalyse

Die ungarischen Psychoanalytiker György Hidas und Jenö Raffai haben mit ihrer Methode der Bindungsanalyse eine primäre Ebene menschlicher Bezogenheit erschlossen. Am Anfang stand die Entdeckung der Dimension der vorgeburtlichen Beziehung in der Lehranalyse von Jenö Raffai bei György Hidas, die über viele Jahre lief. In dieser Zeit arbeitete Raffai als Psychologe an einer psychiatrischen Klinik mit psychotischen Jugendlichen und entdeckte in seiner therapeutischen Arbeit deren elementaren Wunsch nach einer Rückkehr in den Mutterleib, der sich in der therapeutischen Beziehung als Wunsch einer Aufnahme in den Leib des Therapeuten manifestierte, um durch eine neue Geburt die erste nur mangelhafte und unvollständige Geburt zu vervollständigen.

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Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Childhood Sexual Abuse

Attention deficit disorder with hyperactivity (ADHD) and post traumatic stress disorder (PTSD) are the most commonly diagnosed disorders in sexually abused children from the ages of 3-12. […]

It is important to understand that when children are exposed to a traumatic event, in most cases, it results in a persistent disturbance in conduct, emotion, and cognition. Children with PTSD present with a combination of problems such as: impulsivity, distractibility, attention problems, emotional numbing, social avoidance, school failure, and regressed or delayed development. Yet these symptoms are also common in children suffering from ADHD. So without a full account of the child’s history, ADHD is often the most common diagnosis. […]

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Dem Leben entfremdet

Denken wir aber ohne Mitgefühl, dann leben wir in einer Scheinwelt aus Abstraktionen, die Kampf und Konkurrenz zu den Triebkräften unserer Existenz machen. In dieser Welt der Abstraktionen dominiert die Gewalt. In ihr kann nur überleben, wer andere unterwirft oder vernichtet. Diese Vorstellung eines Lebens ohne Mitgefühl ist auf Feinde angewiesen. Ja, wir beginnen uns selbst durch das Feindbild, das wir heraufbeschwören, zu definieren. Indem das abstrakte Denken – also das Kognitive – das Empathische in uns ersetzt, entfernen wir uns immer mehr von jeder unmittelbar gefühlten Wirklichkeit. Wir wenden uns dem Untergang zu.

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Scham und Schuld bei Eltern

Für Eltern mit eigener Missbrauchsvorgeschichte ist Elternschaft eine besondere Herausforderung, zwei Beispiele dafür folgen. Einer meiner Klienten begann mit mir zu arbeiten, nachdem er bei den staatlichen Behörden wegen Misshandlung seines zweijährigen Sohnes angezeigt wurde. Er sagte mir, wenn sein Zweijähriger „Nein!" sagte, sähe er ihn als einen Riesen, der über ihn ragte, bereit, ihn zu schlagen, und er empfände dann schreckliche Angst und Scham. Er sagte auch, hätte er gewusst, dass es Hilfe gibt, wäre er früher gekommen. Er war ein sehr furchterregend aussehender Kerl, der sich entsprechend kleidete, um die Leute fernzuhalten. Unter seinem beängstigenden Außeren befand sich ein verängstigtes, beschämtes Kind, das um sich schlug, um weiteren Missbrauch zu verhindern und ein gewisses Maß an Kontrolle zu spüren.

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Mit zerbrochenen Flügeln

JEDES Leugnen der emotionalen Realität eines Kindes, das heißt jeder Zwang, jede Nötigung, Druck oder Motivation der Distanzierung vom eigenen Gefühl, ist emotionale Misshandlung. Dazu zählt jede Äußerung von Bezugspersonen, die das Kind dahin nötigen, eigene Empfindungen in Frage zu stellen, sich von ihnen zu distanzieren oder sie sogar als Belastung für andere wahrzunehmen. In diesem Zusammenhang müssen auch einige typische emotional misshandelnde Äußerungen, die sich ähnlich wie der Klaps oder die Ohrfeige, als „normal“ und sogar „hilfreich“ in der Erziehung etabliert haben, kritisch hinterfragt werden.

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the child’s behaviour can frighten the parent, or make him angry

If the parent’s mentalizing ability is underdeveloped as a consequence of their own traumatic experiences, the child’s behaviour can frighten the parent, or make him angry. If a parent has been physically or sexually abused himself, the inner world of the child may bring up old memories of the parent’s own traumas.

For example, a child who is angry with his parent because he wants candy and the parent said ‘no’ might say: ‘I hate you.’ For the parent, this can bring up memories of being abused and humiliated in childhood, which can be so overwhelming that the parent’s stress level takes him out of his Window of Tolerance.

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Verstehen heißt Hilfe anbieten

Sich mit Fällen von Kindesmißhandlung, den Opfern und den Tätern zu beschäftigen, löst intensive Gefühle aus, bzw. wegen der Entsetzlichkeit der oft grausigen Geschehen eine enorme Abwehr. Wir sehen unsere Aufgabe darin, dem Täter und damit der durch ihn betroffenen Gesellschaft gerecht zu werden. Bei diesem Vorhaben fanden wir gerade große Hilfe bei Justizbehörden, die die Unmöglichkeit eines Schuld-und-Sühneprinzips am konkreten Fall erleben, die aber theoretisch und praktisch in der Frage, was statt dessen zu tun sei, alleingelassen werden.

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Die latente passiv-aggressive Kollaboration des Staates

Anscheinend aber ist die gruppendynamische Durchleuchtung von Familienprozessen immer noch tabuisiert. Dies drückt sich auch aus in der viel zu geringen Einrichtung von Elterngruppen in Schulen und Kindergärten und in der Individualisierung von Konflikten, d.h., es wird nur von Problemkindern, verhaltensgestörten Kindern und von minimal brain damage gesprochen. Erschreckend klar wird diese Dynamik an einer amerikanischen Untersuchung, die experimentell Aggression in der Öffentlichkeit untersuchte (SHOTLAND/STRAW, 1976). Die Ergebnisse waren so, daß bei öffentlich zu beobachtender Aggression in 60% der Fälle Nachbarn einschritten, wenn sie meinten, daß sich dort zwei fremde Personen stritten. Wurde die Vermutung nahegelegt, daß sich dort Familienangehörige stritten, griffen nur 19% ein.

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